Die Forschung hinter den Piktogrammen
Der Piktogramm-zu-Satz-Ablauf von Clex ist keine Designentscheidung. Er ist eine Anwendung von Allan Paivios Dual-Coding-Theorie - einem der meistreplizierten Ergebnisse der kognitiven Psychologie.
Die Frage, die Pflegedienstleitungen zuerst stellen, sobald sie eine Schicht mit Clex miterleben, lautet: Warum ein Piktogramm und ein Satz statt nur eines Satzes? Das hat nichts mit Designentscheidungen zu tun. Es ist ein fünfzig Jahre altes Ergebnis aus der kognitiven Psychologie, und es ist der Grund, warum mehrsprachiges Personal und Mitarbeitende mit Legasthenie am schnellsten mit Clex zurechtkommen.
Die Dual-Coding-Theorie in einem Absatz
In Imagery and Verbal Processes (1971) schlug Allan Paivio vor, dass das Gehirn Information über zwei parallele Systeme speichert und abruft: einen verbalen Kanal, der Sprache verarbeitet, und einen bildlichen Kanal, der visuelle Informationen verarbeitet. Die beiden Kanäle stehen miteinander in Verbindung, arbeiten aber unabhängig voneinander. Wenn Information über beide Kanäle gleichzeitig kodiert wird, sind Behaltensleistung, Verständnis und Erinnerung nachweislich besser als über einen der Kanäle allein. Das Ergebnis ist in der pädagogischen Psychologie, der Zweitspracherwerbsforschung und der angewandten Ergonomie in zahlreichen Studien über fünf Jahrzehnte hinweg bestätigt worden.
Warum das für die Pflegedokumentation wichtig ist
Eine Pflegekraft, die einen Pflegeeintrag in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache schreibt, stellt gleichzeitig zwei Anforderungen an den verbalen Kanal - Bedeutung und sprachliche Formulierung - unter Zeitdruck, am Ende einer Schicht. Eine Pflegekraft mit Legasthenie oder ähnlichen sprachlichen Schwierigkeiten muss dieselbe Arbeit unter erschwerten Bedingungen leisten. In beiden Fällen handelt es sich um typische Situationen, in denen ein einziger Kanal nicht ausreicht und die Nutzung beider Kanäle die Qualität der Einträge sichert.
Genau an dieser Stelle setzt Clex an:
- Das Piktogramm vermittelt die Bedeutung. Körperbereich, Zustand, Pflegesituation. Über das Bild nimmt die Pflegekraft den Begriff direkt wahr - ohne sprachliche Vermittlung.
- Der Satz ist zugleich der fertige Dokumentationseintrag. Korrekt formuliertes Deutsch, im Stil des Dokumentationssystems. Die Pflegekraft muss die Formulierung nicht selbst erarbeiten - der Satz ist bereits fertig.
- Die Sprachausgabe bestätigt, dass beide übereinstimmen. Die Pflegekraft hört den Satz vor dem Speichern, so kann sie Bild und Satz kurz abgleichen.
Was eine rein sprachliche Aufgabe war (schreib diesen Eintrag), wird zu einer Aufgabe, die beide Kanäle nutzt (wähle das Bild, bestätige den Satz). Die kognitive Belastung, die zu Fehlern führt, verlagert sich - sie steigt nicht.
Die wissenschaftliche Grundlage
Wer Clex als “Tastatur mit Bildern” versteht, hat das Funktionsprinzip verkehrt herum verstanden. Die Tastatur ist die Oberfläche; das Funktionsprinzip ist ein fünfzig Jahre altes kognitionswissenschaftliches Ergebnis. Die Schwierigkeiten bei der Pflegedokumentation in einer Schicht liegen selten an mangelnder Motivation. Es handelt sich um kognitive und sprachliche Hürden, und Dual-Coding gehört zu den meistuntersuchten Ansätzen, um genau diese Belastung zu verringern.
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